Zum Inhalt springen

Ratgeber

«Funded» erklärt: Simulationskonto, Gegenpartei, Gebühren

Was hinter einem «funded» Konto steckt: wer die Gegenpartei ist, woher das Geld der Prop-Firmen kommt und was FMA, FSMA, Consob und ČNB dazu schreiben.

Aktualisiert
Veröffentlicht
Lesezeit
8 Min.
Quellen
24

«Funded» klingt, als würde dir eine Firma ihr Geld zum Handeln anvertrauen. Die österreichische FMA beschreibt es nüchterner: Bei solchen Prop-Trading-Modellen werde oft nicht mit echtem Kapital gehandelt oder es liege kein tatsächlicher Eigenhandel vor[1]. Geld fliesst dann nur zwischen dir und der Firma: Gebühren in die eine Richtung, Auszahlungen in die andere.

Die Beispiele hier stammen von FTMO und Topstep, weil beide selbst offenlegen, dass ihre Konten simuliert sind.

Was «funded» bei FTMO und Topstep heisst

FTMO schreibt in den eigenen FAQ, dass jeder Handel über die FTMO-Plattform simuliert ist, mit ausschliesslich fiktivem Kapital. Das gilt für die Challenge, die Verification und auch für den FTMO Account, den du nach dem Bestehen bekommst[5]. Im FTMO-Profil steht das Konto nach der FTMO Challenge 2-Step deshalb als Simulationskonto[13]. In der Fussnote derselben Seite hält FTMO fest, dass die Firma nur simulierten Handel und Lernwerkzeuge anbietet, nicht als Broker auftritt und keine Einlagen annimmt[5].

Trotzdem zahlt FTMO eine Belohnung («Reward») in Geld aus, wenn du auf dem FTMO Account einen simulierten Gewinn erzielst und alle Regeln einhältst[6]. Die Auszahlung ist also echt, die Trades dahinter sind es nicht.

Topstep trennt die Stufen sogar nach Gesellschaften. Laut der Fussnote auf der Website sind Trading Combine und «Express Funded Account» (XFA) simulierte Programme der TopstepTrader, LLC. Das «Live Funded Account» (LFA) betreibt die separate TopstepFunded LLC[10]. In den Nutzungsbedingungen steht, dass Trades auf einem Simulationskonto nicht an echten Märkten stattfinden und keine tatsächlichen Gewinne oder Verluste erzeugen[11]. Im Topstep-Profil lautet die Kontoart nach dem Bestehen: Simulationskonto (XFA), Live-Konto als möglicher späterer Schritt[20].

Ob du das Live-Konto überhaupt erreichen kannst, hängt bei Topstep auch vom Land ab. Für Deutschland gilt laut Topstep: Du kannst den Trading Combine bestehen, ein XFA bekommen und dir insgesamt höchstens USD 200'000 auszahlen lassen, ein LFA gibt es aber nicht[12]. Im Firmenprofil ist Deutschland deshalb als eingeschränkt[24] vermerkt.

Wer auf der anderen Seite steht

Auf einem Simulationskonto hat deine Order kein Gegenüber am Markt: Sie wird nicht an einem echten Markt ausgeführt[11]. Als einzige Partei, mit der Geld fliesst, bleibt die Firma. Sie betreibt die Plattform, nimmt die Gebühr und zahlt die Belohnung[6], und sie allein legt die Regeln fest[1].

Die FMA beschreibt kostenpflichtige Challenges mit einem Vergleich: Es könne eine Situation entstehen, die dem Verhältnis zwischen Spieler und Spielbank ähnelt. Der Gewinn der einen Seite sei häufig der Verlust der anderen, die Regeln müssten nicht ausgewogen sein, und das Unternehmen habe zumindest die Möglichkeit, dieses Verhältnis zu steuern[1].

Werden deine Trades irgendwo nachgehandelt? Möglich ist es, aber das entscheidet die Firma. FTMO behält sich vor, Daten aus FTMO Accounts für eigene, getrennte Live-Konten zu nutzen[5]. Topstep lässt sich in den Nutzungsbedingungen das Recht geben, deine Handelsdaten für beliebige Geschäftszwecke zu verwenden, ohne dass dir daraus eine Vergütung zusteht[11]. Die belgische FSMA hält fest, dass allein die Firma entscheidet, welche simulierten Trades sie kopiert. Konsumenten könnten deshalb kaum erkennen, ob und wie viel ihnen zusteht[2].

Woher die Plattform ihre Preise und Spreads bezieht, ist laut FMA oft nicht nachvollziehbar. Trader mit Verlusten berichteten von stark überhöhten Spreads gegenüber echten Brokern. Das Beispiel der FMA: Marktspread 0,8 Pips, Spread der Prop-Firma 2,5 Pips, die Position startet also im Minus, bevor sich der Markt bewegt[1].

Woher das Geld der Firmen kommt

Eine Prop-Firma hat zwei grosse Geldströme: Gebühren, die Trader einzahlen, und Auszahlungen, die sie an Trader leistet. Die FMA schreibt, das Geschäftsmodell lebe oft primär von den Gebühren, die viele Trader für Challenges zahlen, und nicht von realistischem Trading[1]. Laut FSMA müssen Teilnehmende oft mehrere Durchgänge bezahlen, bevor sie bestehen, manche bestehen wahrscheinlich nie, und genau so nehmen die Firmen an ihnen Geld ein[2].

FTMO selbst begründet die Gebühr mit den Kosten für Entwicklung und Betrieb der Plattform und der zugehörigen Werkzeuge. Die Höhe hängt vom Produkt und von der Grösse des simulierten Kontos ab[7].

Welche Gebühren es gibt und in welche Richtung das Geld fliesst, zeigen zwei Firmen mit unterschiedlichen Modellen:

GeldflussRichtungBeispiel
Einmalige Challenge-Gebührdu → FirmaFTMO Challenge 2-Step, 100k, Listenpreis: EUR 540[14]
Monatsabodu → FirmaTopstep Trading Combine 50K (Standard Path): USD 49 pro Monat[21]
Reset (neues Konto, etwa nach Verletzung der Verlustgrenze)du → FirmaTopstep 50K (Standard Path): USD 49[22]
Aktivierung nach dem Bestehendu → FirmaTopstep 50K (Standard Path): USD 149[23]
Rückerstattung der GebührFirma → duFTMO Challenge 2-Step: mit der ersten Auszahlung[19]
Belohnung aus simuliertem GewinnFirma → duFTMO Challenge 2-Step: 80 %[18] des simulierten Gewinns

Was eine Firma am Ende behält, hängt davon ab, wie viele Käufer bis zur Auszahlung kommen. FTMO nennt auf den Seiten, die wir für diesen Ratgeber gelesen haben, keine solche Quote. Topstep veröffentlicht in der Fussnote seiner Website eigene Zahlen für 2025[10]:

Topstep, Januar bis Dezember 2025, Eigenangabe[10]Anteil
Gestartete Trading Combines, die bestanden wurden16,8 %
Teilnehmende, die mit mindestens einem Trading Combine die «Funded»-Stufe erreichten51,8 %
Teilnehmende auf der «Funded»-Stufe, die eine Auszahlung erhielten33,3 %
Teilnehmende im XFA, die ins LFA geholt wurden0,71 %

Die «Funded»-Stufe umfasst bei Topstep XFA und LFA zusammen. Die Zahlen mischen damit simulierten und echten Handel, folgen der Methodik der Firma und sagen laut Topstep nichts über künftige Ergebnisse aus[10]. Auf andere Firmen übertragen lassen sie sich nicht.

Rechenbeispiel: eine Challenge, zwei Ausgänge

Rechenbeispiel mit den Regeln der FTMO Challenge 2-Step bei 100'000 USD simuliertem Startkapital: Die Gebühr beträgt zum Listenpreis EUR 540[14]. In der ersten Phase brauchst du 10 %[15] Gewinn, also 10'000 USD auf dem Simulationskonto. Die maximale Verlustgrenze liegt bei 10 %[17] des Startkapitals, also ebenfalls 10'000 USD. Danach folgt die Verification mit einem Ziel von 5 %[16].

Ausgang A: Dein Konto fällt unter die Verlustgrenze. Die Challenge ist damit nicht bestanden, und die Gebühr bleibt bei FTMO, weil FTMO sie beim 2-Step nur zusammen mit der ersten Belohnung erstattet[7]. Geflossen ist Geld in eine Richtung: die Gebühr, zum Listenpreis EUR 540, von dir zur Firma[14].

Ausgang B: Du bestehst beide Phasen und schliesst auf dem FTMO Account mit 1'000 USD simuliertem Gewinn ab. Bei einer Reward Ratio von 80 %[18] (mit Scaling Plan oder Premium Programme 90 %) wären das 800 USD Belohnung[6], dazu käme die Rückerstattung der Gebühr[7]. Erst in diesem Fall fliesst Geld von der Firma zu dir. Bezahlt wird es von FTMO und nicht von einem Markt, denn der Gewinn war simuliert[5].

Zum Beispiel aus Sicht der Firma: Kaufen 100 Leute dieselbe Challenge zum Listenpreis, sind das 54'000 EUR Gebühren[14]. Wie viel davon als Belohnung und Rückerstattung zurückfliesst, hängt davon ab, wie viele bis zur Belohnung kommen und wie hoch ihr simulierter Gewinn ist. Diese Quote veröffentlicht FTMO auf den gelesenen Seiten nicht. Mit eigenen Annahmen rechnest du das im Kostenrechner, im Rechner für mehrere Anläufe und im Auszahlungsrechner durch.

Was die Aufsicht sagt

FMA (Österreich)

Die österreichische Finanzmarktaufsicht hat ihre Seite «Was ist Prop Trading?» am 8. Mai 2026 veröffentlicht[1]. Die Kernaussagen:

  • Die meisten Prop-Trading-Plattformen unterliegen derzeit keiner behördlichen Aufsicht und müssen die strengen Anforderungen an regulierte Finanzdienstleister nicht erfüllen[1].
  • Viele werben mit Rabatten von teilweise bis zu 90 Prozent und setzen auf Leistungsdruck und Gamification, sodass Trader wiederholt Challenge-Gebühren zahlen[1].
  • Auch wenn nur in einer simulierten Umgebung mit fiktivem Kapital gehandelt wird, kann eine konzessionspflichtige Anlageberatung vorliegen. Die FMA richtet diese Frage ausdrücklich auch an dich als externen Trader[1].
  • Eine pauschale Beurteilung sei nicht möglich, entscheidend sei die konkrete Ausgestaltung des Modells[1].

FSMA (Belgien)

Die belgische FSMA warnte am 7. März 2024 vor einem kostenpflichtigen «shadow investment game»[2]. Ihre Darstellung: Auch wer die Challenges besteht, handle nie wirklich, sondern auf einem Demokonto. Prop-Firmen hätten keine Bewilligung und dürften keine Wertpapierdienstleistungen erbringen, und dasselbe gelte für die Prop-Trader. Das Spielelement könne zu Selbstüberschätzung und leichtsinnigem Verhalten führen[2].

Consob (Italien)

Die italienische Consob warnte am 8. Juli 2024 vor einem Phänomen, das unter anderem als «funded trading» bekannt sei[3]: Handel in einer simulierten Umgebung auf Demokonten ausländischer Gesellschaften, verbunden mit der Aussicht, dass die Firmen die virtuellen Trades erfolgreicher Teilnehmender mit eigenem Kapital real nachbilden. Die Challenge sei so angelegt, dass sie nicht leicht zu bestehen ist, und für schwierigere Stufen könnten weitere Zahlungen anfallen. Laut den eingegangenen Meldungen erhielten Teilnehmende, die bezahlt hatten, danach keinen wirtschaftlichen Vorteil von den Prop-Firmen[3].

ČNB (Tschechien)

Die tschechische Nationalbank ist die Aufsicht im Land, in dem etwa FTMO sitzt[9]. Am 28. September 2023 äusserte sie sich allgemein zum simulierten Handel auf Demokonten[4]: Reiner Simulationshandel ohne echte Ausführung und Abwicklung der Orders sei in der Regel keine Wertpapierdienstleistung und brauche keine Bewilligung der ČNB. Eine Fussnote schränkt ein: Hängt die Höhe der Belohnung von den Ergebnissen auf dem Demokonto ab, wäre die Tätigkeit nach den Regeln für Finanzderivate zu beurteilen. Das Spiegeln von Demo-Orders auf echte Konten behandelt die Stellungnahme nicht, und sie nennt keine Prop-Firma[4].

FINMA und BaFin

Eine eigene Stellungnahme von FINMA oder BaFin speziell zu Prop-Challenges haben wir bei der Recherche für diesen Ratgeber nicht gefunden. Ob eine Firma auf einer Warnliste steht, prüfst du über die Behördenlinks am Ende dieser Seite.

Was du vor dem Kauf nachlesen kannst

  • Simulation oder Markt? Such in AGB oder FAQ nach dem Wort «simulated». FTMO und Topstep schreiben es offen hin[5][11].
  • Wer betreibt was? Bei Topstep gehören Challenge und Live-Konto zu verschiedenen Gesellschaften[10]. Fehlt in den AGB eine Gesellschaft mit Sitz, ist unklar, wer dein Vertragspartner ist.
  • Kommst du überhaupt zum Live-Konto? Wohnsitz und Partner der Firma können es ausschliessen, wie die Regeln von Topstep für Deutschland zeigen[12].
  • Einmalgebühr oder Abo? FTMO verlangt eine einmalige Gebühr[8], Topstep ein Monatsabo und je nach Fall Reset- oder Aktivierungsgebühren[21].
  • Wird die Gebühr erstattet? Bei FTMO nur beim 2-Step und erst mit der ersten Belohnung, beim 1-Step und beim Instant Account nicht[7].
  • Wer darf die Regeln ändern? Laut FMA legt sie allein das Unternehmen fest[1]. Topstep behält sich vor, die Nutzungsbedingungen nach einer Mitteilung zu ändern[11].

Keine Anlageberatung. Dieser Ratgeber erklärt Regeln und Begriffe. Er empfiehlt keine Firma und keine Challenge. Konten bei Prop-Firmen sind in der Regel Simulationskonten.

Quellen

Jede Ziffer in eckigen Klammern im Text führt hierher. Gelesen am genannten Datum; Firmen ändern ihre Regeln, prüf vor einem Kauf die aktuelle Seite.

  1. [1]
    Was ist Prop Trading?

    FMA (AT) ·

  2. [2]
    The FSMA warns consumers against shadow investment game

    FSMA (BE) ·

  3. [3]
    Comunicazione del 2024-07-08

    Consob (IT) ·

  4. [4]
    K simulovanému obchodování na demo účtu

    ČNB (CZ) ·

  5. [5]
    What is 'Trading according to a real market'?

    FTMO ·

  6. [6]
    How do I withdraw my reward?

    FTMO ·

  7. [7]
    Why is there a fee?

    FTMO ·

  8. [8]
    What fees do you charge, and are they recurrent?

    FTMO ·

  9. [9]
    Imprint

    FTMO ·

  10. [10]
    Topstep: Futures trading, funded accounts & more.

    Topstep ·

  11. [11]
    Terms of use

    Topstep ·

  12. [12]
    Am I Eligible to Trade with Topstep?

    Topstep ·

Aus den Firmenprofilen

Diese Werte stammen aus den Firmenprofilen von PropCrab. Belegt sind sie mit der Seite der Firma, die hier verlinkt ist.

  1. [13]

    Kontoart nach dem Bestehen, FTMO Challenge 2-Step: Simulationskonto · Profil von FTMO

    ftmo.com, How do I withdraw my reward? ·

  2. [14]

    Listenpreis, FTMO Challenge 2-Step 100k: EUR 540 · Profil von FTMO

    FTMO home (pricing widget) ·

  3. [15]

    Gewinnziel Phase 1, FTMO Challenge 2-Step: 10 % · Profil von FTMO

    Trading Objectives ·

  4. [16]

    Gewinnziel Phase 2 (Verification), FTMO Challenge 2-Step: 5 % · Profil von FTMO

    Trading Objectives ·

  5. [17]

    Maximaler Verlust Phase 1, FTMO Challenge 2-Step: 10 % · Profil von FTMO

    Trading Objectives ·

  6. [18]

    Reward Ratio auf dem FTMO Account, FTMO Challenge 2-Step: 80 % · Profil von FTMO

    How do I withdraw my reward? ·

  7. [19]

    Rückerstattung der Gebühr, FTMO Challenge 2-Step: mit der ersten Auszahlung · Profil von FTMO

    Is the entry fee refunded? ·

  8. [20]

    Kontoart nach dem Bestehen, Topstep Trading Combine: Simulationskonto (XFA), Live-Konto als möglicher späterer Schritt · Profil von Topstep

    Home (footer disclosures), Terms of Use ·

  9. [21]

    Monatspreis, Topstep Trading Combine 50K (Standard Path): USD 49 pro Monat · Profil von Topstep

    Pricing and payment ·

  10. [22]

    Reset-Gebühr, Topstep Trading Combine 50K (Standard Path): USD 49 · Profil von Topstep

    Pricing and payment ·

  11. [23]

    Aktivierungsgebühr, Topstep Trading Combine 50K (Standard Path): USD 149 · Profil von Topstep

    Pricing and payment ·

  12. [24]

    Wohnsitz Deutschland, Topstep: eingeschränkt · Profil von Topstep

    Am I eligible to trade with Topstep? ·

Passende Rechner · Firmen in diesem Ratgeber

Firmen in diesem Ratgeber

Selbst nachprüfen

Warnlisten und Register der Aufsichtsbehörden. Eine regulierte Gesellschaft im Konzern macht die Challenge nicht reguliert.

Fehler gefunden? Schick uns die Stelle und die Quelle. Wir prüfen sie an der Primärquelle und korrigieren mit neuem Datum.