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Ratgeber

Wenn eine Prop-Firma schliesst: Chargeback, Krypto, Belege

Was bei My Forex Funds und True Forex Funds geschah, wann ein Karten-Chargeback helfen kann, warum Krypto nicht zurückkommt und welche Belege du sicherst.

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Quellen
15

Prop-Firmen schliessen, stellen den Verkauf ein oder werden von einer Behörde gestoppt. Planen kannst du das nicht. Die österreichische FMA hält fest, dass die meisten Prop-Trading-Plattformen derzeit keiner behördlichen Aufsicht unterliegen und darum nicht die strengen Anforderungen erfüllen müssen, die für regulierte Finanzdienstleister gelten. Die Regeln legt allein das Unternehmen fest[1].

Gehandelt wird in diesen Programmen meist auf einem Simulationskonto. Bezahlt hast du aber eine Gebühr, und um die geht es, wenn eine Firma verschwindet, dazu um Auszahlungen, die du schon beantragt hast. Dieser Ratgeber zeigt zwei Fälle aus Behörden-, Gerichts- und Firmendokumenten, erklärt, was ein Chargeback kann und was nicht, und was du aufbewahren solltest, bevor du es brauchst.

Fall 1: My Forex Funds und die CFTC

Am 28. August 2023 reichte die US-Aufsicht CFTC Klage gegen Traders Global Group ein, die Firma hinter My Forex Funds (MFF). Der Vorwurf: MFF habe Kunden gesagt, sie handelten gegen externe «liquidity providers», sei aber selbst Gegenpartei von praktisch allen Trades gewesen. Laut Klageschrift hatten sich mehr als 135'000 Kunden angemeldet und mindestens USD 310 Millionen an Gebühren bezahlt[2][6].

Am 29. August 2023 fror ein Bundesgericht in New Jersey auf Antrag der CFTC alle Vermögenswerte der Beklagten ein[3]. Am selben Tag ordnete die Ontario Securities Commission (OSC) an, dass jeder Handel mit Wertpapieren der Firma zu ruhen habe. Am 21. Dezember 2023 setzte der Ontario Superior Court of Justice die Grant Thornton Limited als Verwalterin («receiver») über die Vermögenswerte ein[6]. Was das für Kunden hiess, beschreibt MFF selbst: Das weltweite Team wurde sofort aufgelöst, Kunden standen ohne Support und Service da, und Vermögen und Daten lagen über zwei Jahre unter Kontrolle des Gerichts[7].

Im November 2023 lockerte das US-Gericht die Sperre auf USD 12'080'000 und gab den Rest frei. Es kritisierte, dass die CFTC einen ihr bekannten Fehler in einer Erklärung nicht korrigiert hatte («troubling at best»). Zugleich hielt es die Vorwürfe vorläufig für glaubhaft gemacht («prima facie») und untersagte bis auf Weiteres, Kunden für die MFF-Programme zu werben[3].

Am 13. Mai 2025 gab das Gericht einem Sanktionsantrag der Beklagten statt und wies die Klage der CFTC endgültig ab («with prejudice»). Ein Urteil über die Vorwürfe in der Sache enthält diese Verfügung nicht[4]. Im Juli 2025 verpflichtete das Gericht die CFTC, den Beklagten USD 3'148'484.22 an Anwaltskosten und Auslagen zu zahlen[5].

MFF nennt das eine Rehabilitierung. Am 3. Februar 2026 kündigte die Firma an, Auszahlungsanträge zu bedienen, die im August 2023 gültig und geprüft waren; einen verbindlichen Ablauf konnte sie damals noch nicht nennen[8]. Heute kündigt die Website einen Neustart am 23. November 2026 an. Ausstehende Auszahlungen seien fast abgeschlossen. Konten, die im Anspruchsverfahren («Claims Form Process») aktiv geblieben sind, sollen in den Stand vom 29. August 2023 zurückversetzt werden: Prüfungskonten mit Phase und Equity von damals, «funded» Konten ohne Auszahlung oder Rückerstattung im Verfahren mit der damaligen Equity. Betreiberin der Marke ist laut Website inzwischen eine Gesellschaft in Dubai[9].

Fall 2: True Forex Funds

Kürzer ist, was heute auf der Website von True Forex Funds steht: Die Firma habe alle Tätigkeiten eingestellt und schliesse wegen Zahlungsunfähigkeit («financial insolvency») endgültig, nachdem Versuche gescheitert seien, die Finanzen zu stabilisieren. Ein Datum, eine Kontaktadresse oder ein Wort zu Rückerstattungen und offenen Auszahlungen enthält die Mitteilung nicht[10].

Bei einer Insolvenz ist laut dem Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) der Insolvenzverwalter dein Ansprechpartner für die Klärung. Die Insolvenz eines Unternehmens zählt das EVZ ausdrücklich zu den Fällen, in denen eine Rückbuchung über die Karte infrage kommen sollte[12].

Was die beiden Fälle zeigen

  • Es kann lange dauern. Zwischen dem Einfrieren bei MFF und der Ankündigung, alte Auszahlungsanträge zu bedienen, lagen mehr als zwei Jahre[8].
  • Ein Vorwurf ist kein Urteil. Die Klage der CFTC endete mit Sanktionen gegen die Behörde[4]. Eine Behördenmeldung zeigt dir ein Risiko, nicht den Ausgang.
  • Was zurückkommt, bestimmt die Firma. Bei MFF legte die Firma fest, welche Anträge und Konten sie anerkennt: gültige und geprüfte Auszahlungsanträge, Konten aus dem Anspruchsverfahren[8][9]. Die Mitteilung von True Forex Funds sagt dazu gar nichts[10].
  • Der Kontostand ist kein Guthaben. Die neue Betreiberin von MFF schreibt selbst, alle Konten seien Simulationskonten und es würden keine Kundengelder gehalten[9]. Auf dem Spiel stehen bei einer Schliessung deshalb vor allem die bezahlte Gebühr und beantragte Auszahlungen.

Rückerstattung und Chargeback

Zuerst die Firma. Verlang die Rückerstattung schriftlich, etwa per E-Mail, mit einer kurzen Frist; das EVZ rät zu höchstens einer Woche[12]. Ohne diesen Versuch kannst du laut Visa kein Chargeback starten[11].

Dann deine Bank. Ein Chargeback ist eine Rückbuchung über die Bank, die deine Karte ausgegeben hat, nicht über Visa oder Mastercard direkt. Es beruht auf den Regeln der Kartenorganisationen, die laut EVZ weltweit ähnlich sind, und gilt zunächst nur unter Vorbehalt, weil der Händler widersprechen kann[12]. Auf seiner britischen Verbraucherseite nennt Visa als Gründe unter anderem eine nicht erbrachte Leistung und einen Verkäufer, der sein Geschäft aufgegeben hat. Visa schreibt aber auch: Ein Chargeback ist kein gesetzliches Recht, und eine Rückerstattung ist nicht sicher[11].

Fristen. Laut EVZ sind es in der Regel bis zu 120 Tage, meist ab dem Datum der Abbuchung; bei einer Insolvenz solltest du handeln, sobald sie bekannt ist[12]. Visa nennt meist bis zu 120 Tage nach dem Kauf und rät, rasch zu handeln, wenn ein Verkäufer aufgegeben hat oder aufzugeben droht. Mehr als den Kaufpreis kannst du nicht zurückfordern[11].

Zum Vergleich: Zwischen dem Einfrieren bei MFF im August 2023 und dem angekündigten Neustart im November 2026 liegen mehr als drei Jahre[9]. Wer auf das Ende eines Verfahrens wartet, kann die Frist längst überschritten haben. Liegt dein Kauf schon länger zurück, frag deine Bank, ob noch eine Frist läuft.

Andere Zahlungswege. Hast du über eine digitale Wallet (etwa Apple Pay oder Google Pay) mit hinterlegter Karte bezahlt, funktioniert das Chargeback laut Visa gleich wie mit der Karte selbst[11]. PayPal hat einen eigenen Käuferschutz mit eigenen Regeln. Bei Debitkarten greift ein Chargeback laut EVZ nur, wenn über das System eines internationalen Kartenanbieters wie Visa oder Mastercard abgerechnet wurde, nicht im reinen Girocard-Verfahren, und wenn der Betrag nicht sofort endgültig belastet wurde, etwa bei einer Reservierung. Wie Banken das umsetzen, kann sich laut EVZ unterscheiden; frag bei deiner Bank nach[12].

Ablehnung. Häufige Gründe laut EVZ: Meldung zu spät, Händler nicht zuerst kontaktiert, blosse Unzufriedenheit statt Lieferausfall[12]. Ein Konto, das du nach den Regeln verloren hast, steht auch nicht auf der Liste der Gründe bei Visa[11]. Lehnt die Bank ab, verlang die Begründung schriftlich; in Deutschland nennt das EVZ die Schlichtungsstellen für Bankgeschäfte als nächsten Schritt[12].

Krypto: keine Rückbuchung

Für Krypto gibt es diesen Weg nicht. Die US-Verbraucherbehörde FTC schreibt, Krypto-Zahlungen seien in der Regel nicht umkehrbar, und dein Geld bekommst du meist nur zurück, wenn der Empfänger es zurückschickt. Kredit- und Debitkarten bieten laut FTC gesetzlichen Schutz, wenn etwas schiefgeht, Krypto-Zahlungen in der Regel nicht[13]. Auch das Chargeback setzt laut EVZ eine Zahlung mit Kredit- oder Debitkarte voraus[12].

Welchen Weg zurück du hast, legst du also beim Kauf fest. FTMO nimmt laut Firmenprofil Karte, Apple Pay, Google Pay, PayPal, Revolut Pay, Skrill, Krypto und Banküberweisung[14]. Topstep nennt Karte, Google Pay und Apple Pay[15]; Krypto steht dort nicht auf der Liste. Beide Zahlungsseiten haben wir am 2. November 2026 nachgelesen.

Was du aufbewahren solltest

Speichere alles ausserhalb des Dashboards der Firma. Bei MFF lagen Vermögen und Daten laut MFF über zwei Jahre unter Kontrolle des Gerichts[7], und auf der Startseite von True Forex Funds steht inzwischen allein die Schliessungsmitteilung[10].

  1. 1Kaufbeleg: Rechnung oder Bestellbestätigung mit Datum, Betrag und Namen der Firma, die dir verkauft hat. Visa nennt Namen und Angaben des Verkäufers und das Kaufdatum als erste Angaben für einen Antrag[11].
  2. 2Zahlungsnachweis: Kartenabrechnung oder Zahlungsbeleg[12], bei Krypto die Transaktions-ID und die Empfängeradresse.
  3. 3Regeln und Bedingungen in der Fassung beim Kauf, als PDF oder Screenshot. Die Regeln legt allein die Firma fest[1]. MFF lässt Kunden beim Neustart wählen, ob ihr Konto unter den ursprünglichen oder den neuen Programmregeln weiterläuft[9].
  4. 4Kontostand und Phase mit Datum, etwa als Screenshot des Dashboards. MFF setzt Konten auf Phase und Equity eines Stichtags zurück[9]; mit eigenen Belegen kannst du solche Angaben nachprüfen.
  5. 5Auszahlungsanträge mit Datum, Betrag und Bestätigung. MFF bezieht sich auf gültige und geprüfte Anträge[8].
  6. 6Schriftverkehr: E-Mails, Chatverläufe und Screenshots[12]. Auch Visa nennt Rechnungen, Belege und schriftliche Korrespondenz[11].
  7. 7Die Mitteilung zur Schliessung selbst, mit dem Datum, an dem du sie gesehen hast. Die Mitteilung von True Forex Funds trägt kein Datum[10].

Was ein Simulationskonto ist und woher Prop-Firmen ihre Einnahmen haben, erklärt der Ratgeber «Funded» erklärt. Zahlungsarten und Regeln jeder Firma stehen im Profil, etwa bei FTMO und Topstep.

Keine Anlageberatung. Dieser Ratgeber erklärt Regeln und Begriffe. Er empfiehlt keine Firma und keine Challenge. Konten bei Prop-Firmen sind in der Regel Simulationskonten.

Quellen

Jede Ziffer in eckigen Klammern im Text führt hierher. Gelesen am genannten Datum; Firmen ändern ihre Regeln, prüf vor einem Kauf die aktuelle Seite.

  1. [1]
    Was ist Prop Trading? - FMA Österreich

    FMA (Finanzmarktaufsicht Österreich) ·

  2. [2]
    Complaint for Injunctive Relief, Civil Monetary Penalties, and Other Equitable Relief

    CFTC (U.S. Commodity Futures Trading Commission) ·

  3. [3]
    COMMODITY FUTURES TRADING COMMISSION v. TRADERS GLOBAL GROUP INC. et al – Opinion (Document 134)

    U.S. District Court for the District of New Jersey (via GovInfo) ·

  4. [4]
    COMMODITY FUTURES TRADING COMMISSION v. TRADERS GLOBAL GROUP INC. et al – Order (Document 260)

    U.S. District Court for the District of New Jersey (via GovInfo) ·

  5. [5]
    COMMODITY FUTURES TRADING COMMISSION v. TRADERS GLOBAL GROUP INC. et al – Opinion and Order (Document 269)

    U.S. District Court for the District of New Jersey (via GovInfo) ·

  6. [6]
    Notice of Motion: In the Matter of Traders Global Group Inc. and Muhammad Murtuza Kazmi

    Ontario Securities Commission (Capital Markets Tribunal, File No. 2023-21) ·

  7. [7]
    MyForexFunds Welcomes Ontario Court Order Returning Company Assets, Scaling Back Receivership

    MyForexFunds (Medienmitteilung über CNW) ·

  8. [8]
    MyForexFunds to honour outstanding 2023 payouts following legal vindication, asset return

    MyForexFunds (Medienmitteilung über CNW) ·

  9. [9]
    MyForexFunds Returns: Relaunching November 23, 2026

    MyForexFunds ·

  10. [10]
    trueforexfunds.com – Funding Forex Traders

    True Forex Funds ·

  11. [11]
    Chargeback: Debit & Credit Card Purchase Disputes | Visa

    Visa (Verbraucherseite Grossbritannien) ·

  12. [12]
    Chargeback: So holen Sie Kreditkartenzahlungen zurück

    Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ) ·

  13. [13]
    What To Know About Cryptocurrency and Scams | Consumer Advice

    FTC (U.S. Federal Trade Commission) ·

Aus den Firmenprofilen

Diese Werte stammen aus den Firmenprofilen von PropCrab. Belegt sind sie mit der Seite der Firma, die hier verlinkt ist.

  1. [14]

    FTMO: Zahlungsarten beim Kauf: Karte, Apple Pay, Google Pay, PayPal, Revolut Pay, Skrill, Krypto und Banküberweisung · Profil von FTMO

    ftmo.com ·

  2. [15]

    Topstep: Zahlungsarten beim Kauf: Karte, Google Pay und Apple Pay · Profil von Topstep

    Pricing and payment ·

Firmen in diesem Ratgeber

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